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Jan Frodeno
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Presse

09.10.08-Süddeutsche Zeitung // Es geht darum, wer der beste Radfahrer ist

22.09.08-Spiegel Online // Triathleten haben eine Meise

19.09.08-WELT // Heiratsanträge für Olympiasieger Jan Frodeno

16.09.08-Focus // Olympiasieger und Weltmeister im Team vereint

31.08.08-BILD // Gold-Helden zurück im Alltag

27.08.08-BILD // Irrer "Triathlon" zurück nach Hause

27.08.08-Saarbrücker Zeitung // Feier-Marathon für den goldenen Triathleten

24.08.08-WELT AM SONNTAG // Wir haben ein Luxusproblem

20.8.08-Hamburger Abendblatt

19.8.08 - tri-mag.de
Olympiasieg


19.8.08 - Spiegel Online // Triathlon Gold

19.8.08 - N24 // Frodeno gewinnt Hitzeschlacht


19.8.08 - FAZ - Im Gespräch


19.8.08 - FAZ.NET // Sieg oder Sibirien


"Es geht darum, wer der beste Radfahrer ist"



Süddeutsche Zeitung 09.10.08 - Artikel lesen



"Triathleten haben eine Meise"



Spiegel Online 22.09.08 - Artikel lesen



"Heiratsanträge für Olympiasieger Jan Frodeno"



WELT 19.09.08 - Artikel lesen



"Olympiasieger und Weltmeister im Team vereint"



Focus 16.09.08 - Artikel lesen



"Gold-Helden zurück im Alltag"



BILD Zeitung 31.08.08 - Artikel lesen



"Irrer "Triathlon" zurück nach Hause"



BILD Zeitung 27.08.08 - Artikel lesen



"Feier-Marathon für den goldenen Triathleten"



Saarbrücker Zeitung 27.08.08 - Artikel lesen


"Wir haben ein Luxusproblem"



WELT AM SONNTAG 24.08.08 - Die Olympia-Teilnehmer Ole Bischof, Jan Frodeno, Antje Buschschulte und Raul Spank diskutieren in Peking über Mängel des deutschen Sportsystems

Zwei Olympiasieger, ein glücklicher Fünftplazierter und eine enttäuschte Athletin. Mit ihnen stellte die "Welt am Sonntag" im olympischen Dorf in Peking eine Gesprächsrunde zusammen. Die vier Spitzensportler diskutierten über ihre Bedingungen in Deutschland. Sie haben klare Vorstellungen, was geschehen muss, damit auch künftig Erfolge gewährleistet sind.

Welt am Sonntag:

Wie ist Ihre persönliche Situation?

Raul Spank:

Ich lebe aus Muttis Kühlschrank. Ich bekomme keine Sporthilfe, ich muss auf meinen Verein hoffen. Von meinem momentanen Verdienst könnte ich nicht überleben. Ich habe dieses Jahr mein Abitur gemacht und werde im Herbst anfangen, Wirtschaftswissenschaften zu studieren, weil ich mich weiterentwickeln, mich bilden möchte.

Ole Bischof:

Bei mir ist es auch eine Zahl, auf die ich nicht stolz bin. Ich kann überleben, aber keine Familie gründen. In der Öffentlichkeit wird das oft falsch wahrgenommen. Man denkt, uns würde das Geld hinterhergeworfen werden. Das mag bei manchen Sportarten so sein, im Judo ist es nicht so. Und ich bin der, der ganz oben ist!

Antje Buschschulte:

Ich würde mich auch nicht als Großverdienerin bezeichnen. Ich bin der Sporthilfe und meinem Verein sehr dankbar. Ich musste meinen Eltern nie auf der Tasche liegen, was ich vom System her wichtig finde. Im letzten Sommer habe ich mein Biologiestudium abgeschlossen und danach das erste Jahr in meiner Karriere mich ganz aufs Schwimmen konzentrieren können. Als Doktorandin mit einer halben Stelle würde ich weniger verdienen.

Jan Frodeno:

Ich bin in Südafrika aufgewachsen, dann nach Deutschland ausgewandert. Ich wusste nach dem Abitur nicht, was ich machen sollte, ich musste im Prinzip rennen oder wieder zu meinen Eltern zurückziehen. Ich bin dann in die Triathlon-Nationalmannschaft gekommen, wollte von dort an immer nur in Richtung Weltspitze. Ein BWL-Studium hat mich dermaßen gelangweilt, dass ich es nach zwei Monaten wieder geschmissen habe.

Wie hoch ist denn die Förderung?

Buschschulte:

Die Sporthilfe in der Elite zahlt 400 Euro im Monat, und dafür muss man schon mal Medaillen gewonnen haben.

Frodeno:

Das ist Eliteförderung?

Buschschulte:

Ja, ich würde sonst nur Prämien bekommen.

Bischof:

Fakt ist, in Deutschland gibt der Staat seinen Athleten kein Geld. Der Staat stellt Trainer zur Verfügung, die Einrichtungen. Das Innenministerium finanziert Reisen. Der Athlet bekommt Geld durch die Deutsche Sporthilfe, die ist aber eine private Stiftung.

Schauen Sie denn ein wenig neidisch auf das System anderer Länder?

Buschschulte:

Die Australier und Briten haben ein Fördersystem, das Früchte trägt. Sie mussten dafür mindestens sechs Jahre investieren, eine Zeit, in der sie nicht immer gut waren. Dort bekommen die Sportler ein richtiges Gehalt, sie sind Profi-Schwimmer. In Europa ist das neu.

Spank:

In Russland ist der Anreiz viel höher, Prämien von bis zu eine Million Dollar dort sind sehr beeindruckend. In China bekommt man als Olympiasieger eine lebenslange Rente, oder? Wenn ich aussorgen will, brauche ich die Erfolge einer Jelena Issinbajewa oder eines Usain Bolt.

Haben Sie denn Forderungen an das Sportsystem?

Bischof:

Es ist die Frage, was gewünscht ist. Die Politik muss sagen, ob es mehr Medaillen werden sollen oder nicht.

Frodeno:

Ich sehe das ganz anders. Ich bin in Kapstadt aufgewachsen. Als Schwimmer in Südafrika hatten wir keine beheizten Becken, keine warmen Duschen, Physiotherapie war ein Fremdwort. Wir haben in Deutschland ein Luxusproblem. Viele Sportler, besonders die ewigen Talente, haben es nicht geschafft, weil sie die Möglichkeiten in Deutschland nicht zu schätzen wissen. Sehr viele Sachen werden als selbstverständlich vorausgesetzt: Man kann ins warme Wasser gehen und in warme Länder zum Trainieren fahren. Für eine optimale Nutzung des Angebots ist der Athlet selbst verantwortlich. Das Sportgruppen-Fördersystem ist fest verankert. Da sind viele drin, die mit dem Status quo zufrieden sind. Der Kämpfergeist, der im modernen Sport aus der freien Marktwirtschaft kommt, geht da ein bisschen verloren. Die Leute sehen vor lauter Netzen das gespannte Seil nicht.

Buschschulte:

Das finde ich ein zweischneidiges Argument. Wir sind nicht in Kuba, wo viele versuchen, sich aus dem Dreck zu ziehen durch den Sport. Man wird bei uns eine Leistungsmentalität nicht neu etablieren können, weil wir eine reiche Industrienation sind. Man muss schon Fragen an die Politik richten, ob man den Spitzensport so fördern will, dass die Leistung stimmt. Im Schwimmen sind die Länder erfolgreich, die investiert und ihr System umgestellt haben. Engländer und Australier sind doch nicht anders als die Deutschen.

Frodeno:

In Australien haben sie etwa superidyllische Schwimmbedingungen. Das geht schon damit los, dass sie jeden Tag unter der Sonne schwimmen können. Man sollte erst einmal das Bewusstsein schaffen für das, was wir schon haben, bevor man mehr hineinpumpt.

Buschschulte:

Ich würde auch mehr in die Menschen investieren und nicht in das Umfeld, in die Trainer etwa. Tolle Sporthallen haben wir genug, wir haben Tartanbahnen an jeder Ecke, Schwimmbäder auch.

Bischof:

Ein Trainer muss mindestens das verdienen, was ein Lehrer am Gymnasium verdient.

Frodeno:

Schule ist ein gutes Stichwort. Wie viele Grundschullehrer gibt es denn, die tatsächlich eine Sportausbildung haben? Und da kann und muss man die Talente letztlich finden.

Von der Grundschule bis Olympia ist es aber noch sehr weit.

Buschschulte:

Das ist der Weg, den wir alle gegangen sind. Und wenn man nicht darauf schaut, wo es anfängt, ist man ratlos bei der Frage, was oben herauskommt.

Spank:

Ja, vielen jungen Menschen fehlt es an Ehrgeiz, andere Freizeitaktivitäten sind wichtiger, X-Box, Playstation, Computer. Man muss einen guten Mix aus materiellen Voraussetzungen und menschlichen Komponenten finden. Ich muss nicht ganz so viel trainieren wir ihr, in der Leichtathletik ist es manchmal besser, Pause zu machen als sich zu schinden.

Stört es Sie eigentlich, wenn nach einem Olympiasieg Politiker und Funktionäre auf Sie zukommen?

Bischof:

Ich finde es toll, wenn sich Politiker mit Sportlern schmücken, weil es auch eine Aussage für den Sportler ist. Die Politik muss stolz sein auf die Athleten.

Frodeno:

Bei uns im Landkreis sind bald Wahlen, klar schreibt jetzt jede Partei Glückwunschfaxe an mich. Man darf nur nicht glauben, dass alle Gratulanten jetzt echte Freunde wären. Man kann viele Leute kennenlernen und Freundschaften schließen, aber ob das noch nach einem kurzfristigen Erfolg so bleibt, wird man erst sehen.

Wirkt der Erfolg der Chinesen demotivierend oder anspornend?

Spank:

Vordergründig hat jeder Athlet seinen individuellen Antrieb. Ich kann keinen Ehrgeiz in der Menge erzeugen. Ziel in der Leichtathletik ist es, wieder nach vorne zu kommen, aber in den nächsten zwei Olympiaden wird das sicher nicht passieren.

Buschschulte:

Im Schwimmen muss man auch in acht Jahren denken. Die Chinesen waren im Schwimmen zum Beispiel nicht dominant, obwohl sie etwas zugelegt haben.

Spank:

In der Leichtathletik hat China überhaupt nichts gebracht.

Buschschulte:

Eben. Sie haben ihre Paradedisziplinen ausgebaut. Wir müssen im Schwimmen zu den Amerikanern und Australiern aufschauen. Wir sind jetzt - bis auf die zwei Goldmedaillen von Britta Steffen - sehr tief am Boden. Es wird schwer sein, die Jugend zu motivieren, in der Nationalmannschaft dabei zu sein. Sie sehen, wie weit die Weltspitze entschwunden ist. Der Abstand von uns zu den anderen ist, in Sekunden gesehen, sehr groß. In meiner Jugend war das noch anders. Ich hatte vor mir einen Haufen guter Frauen. Als ich das erste Mal gegen Sandra Völker geschwommen bin, wusste ich, dass ich es nach oben schaffen kann. Wenn man heute Deutscher Meister wird, ist man noch lange nicht international in der Spitze. Da kommt man als Mannschaft ganz anders bei Olympia an.

Bischof:

Siegermentalität ist extrem wichtig, gerade in einer Kampfsportart. Man muss sich das selber zutrauen und mit Willen herangehen. Mit der Einstellung "Alle anderen sind stärker und böse" hat man keine Chance.

Frodeno:

Manchmal bedarf es nur einer einzigen Person. Bei uns Triathleten hatten wir einen Trainerwechsel. Der hat von vornherein gesagt: Jungs, wir können das. Innerhalb von elf Monaten haben wir dann einen Weltmeister und einen Olympiasieger gestellt, das haben wir auch ihm zu verdanken. Wenn man bei den Schwimmern jemand wie Michael Phelps hätte, dann gruppierten sich gleich vier oder fünf Leute um ihn herum, die den Trainingsaufwand sehen und Möglichkeiten erkennen. Durch die Dopingdiskussion macht man es sich in Deutschland zu leicht. Man sagt: Das geht sowieso nur, weil die alle bis oben hin voll sind.

Buschschulte:

Die Situation ist schlecht vergleichbar. Es gibt in jeder Stadt ein paar Schwimmer. Ein Bundestrainer macht das Problem nicht weg. Wer jetzt mit Britta Steffen trainiert, könnte auch nachrücken, aber das passiert nicht so schnell.

Frodeno:

Das ist eine Systemfrage. Wir haben es so gemacht wie die Fechter, wir haben ein einziges Leistungszentrum. Durch die "Einzel-Heimtrainer-Gruppen" entgeht man der Konkurrenz.

Buschschulte:

Der Föderalismus schlägt voll durch, jede Stadt, jeder Landkreis will seine Leute pushen und nicht zentral abgeben. Es wäre ausgeschlossen, die Bayern nach Berlin zu kriegen - oder andersrum.

Frodeno:

Da soll auch kein Sportler Juhu schreien. Wir trainieren in Saarbrücken. Ich bin von Kapstadt nach Saarbrücken gezogen, wir haben dort tolle Trainingsmöglichkeiten. Aber Kapstadt ist eine der schönsten Städte der Welt.

Buschschulte:

Ich kenne viele Sportler, die sich nicht vorstellen können, sich auch nur einen Meter von zu Hause zu entfernen.

Bischof:

Wir können nicht zu Hause bleiben. Als Judoka braucht man Trainingspartner, die verschiedene Kampfstile haben. Wir sind viel in Japan und Korea, aber auch in Russland, Georgien, Polen. Da stehen dann 300 Russen, man muss sich durchboxen. Wenn man verliert, fällt man auf den Rücken und kriegt auf die Fresse, und nächstes Mal fährt man wieder hin.

Spank:

Konkurrenz belebt das Geschäft, wenn man eine starke Trainingsgruppe hat, kann man sich gegenseitig beflügeln. Wenn ich alleine im Kraftraum bin, fällt es mir schwer, das ein oder andere Gewicht durch die Gegend zu bugsieren. Wenn da jemand stärker ist, geht man anders ran.

Buschschulte:

Ich komme aus einem sehr kleinen Verein in Lübeck. Die haben immer gedacht: Na ja, sie ist Jugend-Europameisterin geworden mit ein Mal Training am Tag, jetzt machen wir sie zur Olympiasiegerin. Für eine neue Leistungsbereitschaft gibt es in vielen Ecken Deutschlands kein Bewusstsein.

Frodeno:

Bei uns ist das das krasse Gegenteil. Vor Olympia wurde gesagt, dass drei Frauen und eine Herrenmannschaft nach Peking fliegen. Die Männer haben alle gemeinsam trainiert, die Frauen hatten Angst, zusammen zu üben. Nach dem Rennen hieß es gleich: Ich bin zufrieden, ich war beste Deutsche - und das bei einem Platz jenseits von Gut und Böse.

Buschschulte:

Männer sind kompetitiver im Training, Frauen werden dann oft zickig. Das geht sogar neben dem Sport weiter.

Bischof:

Kampfsport ist insofern ein Teamsport, weil man den Gegner nicht so hindonnern kann, dass er nicht mehr aufsteht. Dann hat man keinen Trainingspartner mehr. Du musst immer so fair sein, dass der Gegner mit dir übt.

Frodeno:

Machst du das mit Aggression im Wettkampf?

Bischof:

Nein. Natürlich mache ich mich heiß, pushe mich auf. Aber ich sehe nicht rot.

Wie vereinbar sind Beruf und Hochleistungssport?

Bischof:

Wir machen den Sport nicht wegen des Geldes. Raul Spank hat gesagt, er möchte Wirtschaftswissenschaften studieren, weil er wachsen möchte, lernen. Ich habe mich für Volkswirtschaft entschieden, weil ich später einen guten Job haben möchte. Ich will eine anspruchsvolle Aufgabe.

Buschschulte:

Das Sicherheitsdenken ist in Deutschland in den letzten Jahren stark gestiegen, da sind die Sportler keine Ausnahme.

Spank:

Deshalb sind viele Sportler bei der Polizei oder der Bundeswehr.

Frodeno:

Mein Motto war immer: Es gibt keinen Plan B, also muss Plan A funktionieren. Studium oder duale Karriere steht bei mir nicht an.

Haben Sie Existenzängste?

Bischof:

Irgendwo schon. Aber wir sind vier selbstbewusste Menschen, wenn man sich selbst nichts zutraut, schafft man es nicht nach oben.

Buschschulte:

Bei mir stand nie zur Diskussion, dass ich nur Sport mache. Mein Fach Biologie war oft schwer mit dem Schwimmen zu vereinbaren. Man muss zwei Mal am Tag trainieren. Gerade im Grundstudium musste man aber auch bei allen Kursen anwesend sein. Heute ist das Schwimmen so professionalisiert, dass es nicht mehr möglich ist, ein Studium und Sport gleichzeitig voranzutreiben.

Was bedeutet das?

Buschschulte:

Profibedingungen müssen geschaffen werden. Wir haben einmal einen Versuch gestartet. Wir waren die Hälfte der Zeit unterwegs, in Höhentrainingslagern. Wer allerdings keine Sponsoren hat, landete finanziell bei Null - und kann keine Ausbildung machen. Ich glaube, der Anreiz ist für viele Leute zu gering.

In Saarbrücken wäre beides möglich?

Frodeno:

Bei Spitzenwochen von 45 Stunden ohne Physiotherapie und Anreise ist wenig Luft. Ich würde nicht als Erstes ein Mathe-Buch aufschlagen.

Buschschulte:

Ich würde immer eine Ausbildung haben wollen.

Frodeno:

Das hört sich bescheuert an, aber du kannst als Sportler das Leben studieren. Nirgendwo hast du die Chance, so viele Leute kennenzulernen, man kommt mit Menschen im Ausland ins Gespräch, mit Spitzenpolitikern.

Buschschulte:

Die Politiker würden dich aber nicht einstellen. Was hast du mit 27 Jahren denn gemacht außer Sport?

Frodeno:

Nichts. Ich habe Abitur, und ich mache jetzt in einer Flugschule den Pilotenschein.

Was ist für einen Olympiasieger jetzt drin?

Bischof:

Man muss das realistisch sehen. Es ist ein Ticket, zum Beispiel, um Kontakte zu bekommen. Man kann diese Eintrittskarte nutzen oder vergammeln lassen. Das liegt an uns.

Frodeno:

Wir haben im Triathlon anfangs die höheren Startkosten, um hereinzukommen, haben aber nun das höhere Vermarktungspotenzial. Wir sind eine Freiluftsportart, wir laufen und fahren überall herum, das ist Marketingfläche.

Bischof:

Aus einem nationalen Blickwinkel sehen viele Deutsche Judo als Randsportart. Wer aber die Welt betrachtet, der sieht, dass es eine riesige und gesunde Bewegung ist. In Paris sind bei meinen Kämpfen 10 000 Menschen in der Halle, in Georgien etwa 6000. Es gibt sieben Goldmedaillen im Männer-Judo. Diese gingen an Südkorea, Japan, Aserbaidschan, dann komme ich als einziger Westeuropäer, ein Georgier, ein Mongole, ganz oben wieder ein Japaner. Bei der WM haben 139 Nationen teilgenommen. Für viele Menschen ist Judo sehr wichtig.







Frodeno holt erstes deutsches Triathlon-Gold

Peking/Hamburg - Im Juli hatte Jan Frodeno beim Weltcup in Hamburg noch das Nachsehen. Landsmann Daniel Unger verbaute "Frodo" (nach einer Figur aus der Trilogie "Herr der Ringe") kurz vor dem Ziel das Happy End. Dennoch lagen sich die beiden Top-Triathleten anschließend auf dem Rathausmarkt in den Armen, freuten sich gemeinsam. Gestern taten sie genau das wieder, in China. Dieses Mal hatte der sympathische Saarbrücker das bessere Ende für sich. Frodeno krönte sich zum ersten deutschen Triathlon-Olympiasieger, Ex-Weltmeister Unger wurde Sechster.

Bei der Siegerehrung sprang "Frodo" auf das Podium und sang die Nationalhymne mit der rechten Hand auf dem Herzen mit. "Dieser Moment ist mir in so manchen Nächten tausendmal durch den Kopf gegangen. Jetzt ist der Traum wahr geworden", meinte er und genoss den Augenblick seines größten Triumphes: "Ich habe schon immer nach dem Motto gelebt: Ich habe keinen Plan B, also muss Plan A funktionieren."

Und sein Plan funktionierte vorzüglich im Ming Tomb Reservoir, etwa 50 Kilometer nördlich von Peking. Mit einem fulminanten Schlussspurt setzte sich Frodeno einen Tag nach seinem 27. Geburtstag gegen die großen Favoriten durch. Nach 1,5 km Schwimmen, 40 km Rad fahren und 10 km Laufen verwies er in 1:48:53,28 Stunden Sydney-Olympiasieger Simon Whitfield aus Kanada und den Athen-Zweiten Bevan Docherty aus Neuseeland auf die Plätze zwei und drei. Der Wittener Christian Prochnow landete als dritter Deutscher auf Rang 15.

Frodeno hatte sogar einen kleinen Schwächemoment überstanden. "Beim Laufen habe ich zum Ende der zweiten Runde kurz den Anschluss verloren. Aber bei der Hitze wollte ich mein eigenes Rennen laufen und mich nicht zu früh verausgaben", erklärte der Vize-Europameister und WM-Sechste von 2007, dem der ganz große Durchbruch bislang verwehrt geblieben war.

Erst mit 16 Jahren war er zum Triathlon gekommen. Vorher hatte sich der Auswanderersohn beim Wellenreiten in Südafrika vergnügt. Für die Spiele in Peking bereitete er sich ganz gezielt im Olympiastützpunkt Saarbrücken vor: "Ich habe mir dort die letzten zwei Monate ein Zimmer genommen, eine Matratze auf den Boden gelegt, eine Olympiafahne an die Wand gehängt und mich vorwiegend von Reis ernährt", erklärte der neue "Herr der Triathlon-Ringe" sein Erfolgsrezept. ()
sid, dst/

erschienen am 20. August 2008

Olympiasieg: Jan Frodeno triumphiert in Peking

tri-mag.de - Mit einem langgezogenen Zielsprint hat sich Jan Frodeno in Peking Gold im Olympischen Triathlon geholt. Der 27-Jährige zwang auf den letzten Metern den Kanadier Simon Whitfield und Bevan Docherty aus Neuseeland in die Knie. Daniel Unger kam auf Platz sechs.

Bereits nach dem Schwimmen war Frodeno der beste der drei deutschen Triathleten und schaffte es als Zwölfter ohne großen Krafteinsatz in die erste Radgruppe. Daniel Unger hatte sich derweil einen zehnsekündigen Rückstand eingehandelt, den der Weltmeister von 2007 zu Beginn der Radstrecke zunächst egalisieren musste. Nach zwei von sechs zu fahrenden Runden auf der anspruchsvollen 40-Kilometer-Strecke im Ming-Gräber-Reservoir hatten sich dann alle Favoriten in einer großen Gruppe zusammengefunden. Auch Frodeno, Unger und der dritte Deutsche, Christian Prochnow, waren dabei. Einzig der Brite Tim Don hatte den Anschluss verpasst und absolvierte fortan ein einsames Rennen. Nachdem er beim Laufen überrundet wurde, musste der Weltmeister des Jahres 2006 das Rennen schließlich verlassen.

Die verbliebenen Favoriten belauerten sich in der zweiten Disziplin gegenseitig, jeder der zahlreichen Ausreißversuche wurde schnell gekontert. Lediglich dem in Deutschland geborenen Luxemburger Dirk Bockel und Axel Zeebroek aus Belgien gelang es, sich in der vorletzen Runde abzusetzen und einen Vorsprung von etwa 45 Sekunden herauszufahren. Der große Krafteinsatz rächte sich allerdings auf der Laufstrecke: Schon eingangs der zweiten von vier zu laufenden Runden wurden die beiden Ausreißer gestellt. Vor allem, weil in der Favoritengruppe nun ein gnadenloses Ausscheidungsrennen begann.

Rückkehr der Abgehängten

Als Führender der Favoritengruppe war Frodeno auf die Laufstrecke gestürmt, ließ sich dann aber taktisch klug zurückfallen, um Kraft zu sparen. An der Spitze war es zunächst der erst 20-jährige aufstrebende Brite Alistair Brownlee, der für ein hohes Tempo sorgte und die anfangs noch große Gruppe immer weiter dezimierte. Für die nächsthöhere Gangart sorgte dann der Däne Rasmus Henning. Richtig ernst aber wurde es in der vorletzten Runde an der Rampe hinauf auf den Staudamm, der im Zentrum des Wettkampfgeschehens stand. Der wieder erstarkte Spanier Ivan Raña zog dort einen Zwischensprint an, dem gleich mehrere Topathleten zum Opfer fielen. Brownlee musste abreißen lassen, Unger ebenso. Und auch Frodeno wurde um einige Meter distanziert. In der folgenden Phase entschied sich das Rennen, denn der Deutsche, der bereits geschlagen schien, kam Schritt um Schritt zurück und schaffte einen halben Kilometer später wieder den Anschluss an die nun nur noch fünfköpfige Spitzengruppe. Um Gold, Silber und Bronze kämpften nur noch Raña, sein Landsmann Javier Gomez, Bevan Docherty aus Neuseeland, der Kanadier Simon Whitfield - und eben Frodeno.

Nachdem Raña für seinen Zwischenspurt bezahlen musste und leicht zurückfiel und auch Whitfield in der letzten Steigung abgehängt wurde, schienen die Medaillen vergeben. Doch der Kanadier, der schon bei seinem Olympiasieg in Sydney den schnellsten letzten Kilometer verbucht hatte, kam noch einmal zurück und eröffnete den einige hundert Meter langen Endspurt. Als Erster musste der Topfavorit Gomez die Segel streichen - der Sprint ist und bleibt seine einzige Schwachstelle. Dann erwischte es Docherty. Und auch Frodeno musste sichtlich kämpfen. Doch der gebürtige Kölner biss die Zähne zusammen - ein paar schnelle Schritte brachten ihn in Führung - während Whitfield erkannte, dass er dieses Mal seinen Meister gefunden hatte. Und ein noch etwas ungläubig wirkender Frodeno rannte der Sensation entgegen.

Starkes deutsches Team

Nach Daniel Ungers Weltmeistertitel im vergangenen Jahr haben die deutschen Triathleten damit erneut bewiesen, dass sie nicht nur zur Weltspitze gehören, sondern sich vor allem auf die wichtigen Rennen punktgenau vorbereiten können. Denn auch Unger - zwischenzeitlich bis auf Rang neun zurückgefallen - kämpfte sich zurück und wurde Sechster. Das überragende deutsche Ergebnis komplettierte dank eines geduldigen und gut eingeteilten Rennens der Potsdamer Christian Prochnow auf Platz 15.

Die Schweizer, die als Mitfavoriten ins Rennen gegangen waren, mussten sich im Gegensatz zu ihren Landsfrauen gestern mit hinteren Rängen zufrieden geben. Olivier Marceau wurde als bester der Eidgenossen 19., der Bronzemedaillengewinner von Athen, Sven Riederer 23. und Reto Hug landete auf Rang 29. Der einzige Österreicher Simon Agoston lief als 38. ins Ziel am Shisanling-Staudamm, während Bockel nach seiner Attacke auf dem Rad noch bis auf den 25. Platz durchgereicht wurde.
Nis Sienknecht aus Peking

Olympischer Triathlon in Peking
1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen
19. August 2008, Peking (China)

1. Jan Frodeno (GER) 1:48:53 (18:14-59:01-30:46)
2. Simon Whitfield (CAN) 1:48:58 (18:18-58:56-30:48)
3. Bevan Docherty (NZL) 1:49:10 (18:23-58:51-30:57)
4. Javier Gomez (ESP) 1:49:14 (18:08-59:06-31:03)
5. Ivan Raña (ESP) 1:49:22 (18:22-58:52-31:14)
6. Daniel Unger (GER) 1:49:44 (18:25-58:49-31:35)
7. Hunter Kemper (USA) 1:49:49 (18:04-59:06-31:40)
8. Rasmus Henning (DEN) 1:49:57 (18:18-58:57-31:48)
9. Igor Sysoev (RUS) 1:49:59 (18:02-59:15-31:41)
10. Frederic Belaubre (FRA) 1:50:00 (18:03-59:11-31:48)

15. Christian Prochnow (GER) 1:50:34
19. Olivier Marceau (SUI) 1:50:50
23. Sven Riederer (SUI) 1:51:19
25. Dirk Bockel (LUX) 1:51:31
29. Reto Hug (SUI) 1:52:05
38. Simon Agoston (AUT) 1:53:24

Frodeno holt Triathlon-Gold für Deutschland

Endspurt zum Olympiasieg: Jan Frodeno hat sich die Goldmedaille im Triathlon gesichert. In einem knappen Rennen konnte er sich auf den letzten Metern gegen Simon Withfield aus Kanada und Bevan Docherty aus Neuseeland durchsetzen.

Hamburg - Triathlet Jan Frodeno hat die zehnte deutsche Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Peking gewonnen. Der Saarbrücker verwies im Schlussspurt nach 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen Sydney-Olympiasieger Simon Whitfield aus Kanada und Vize-Weltmeister Bevan Docherty aus Neuseeland auf die Plätze zwei und drei. Ex-Weltmeister Daniel Unger wurde Sechster, Christian Prochnow belegte Platz 15.

"Ich konnte nicht glauben, was passiert ist. Das ist ein Moment, von dem man immer träumt", sagte Frodeno nach dem Rennen seines Lebens. Er war zusammen mit den zwei anderen deutschen Startern sowie 53 Athleten aus anderen Ländern über die olympische Triathlon-Distanz gestartet. Bei Temperaturen von knapp 30 Grad und 82 Prozent Luftfeuchtigkeit bereits um 10 Uhr Ortszeit gingen Frodeno, Christian Prochnow und Unger, der Weltmeister von 2007, auf die Schwimmstrecke im Ming-Tomb-Reservoir. Nach den 1,5 Kilometern Schwimmen lag der Neuseeländer Shane Reed in Front und wechselte als Erster aufs Rennrad, um die 40 Kilometer der zweiten Teildisziplin anzugehen.

Frodeno kam einen Tag nach seinem 27. Geburtstag als Zwölfter aus dem Wasser, Prochnow verließ die Wechselzone auf Platz 27, Unger ging als 36. auf die Radstrecke. Der 30-jährige Medaillenanwärter hatte zu diesem Zeitpunkt rund 25 Sekunden Rückstand auf den Führenden, konnte jedoch bereits in den ersten Minuten auf dem Rad zehn Plätze gut machen und war wie Frodeno und Prochnow in der führenden Radgruppe dabei.

Der 20-jährige Brite Alistair Brownlee setzte sich nach gut einer halben Stunde Rennzeit kurzzeitig an der Spitze ab, musste die Führung jedoch bald an den Kanadier Collien Jenkins abgeben. Nach der Hälfte der Renndistanz lag der Belgier Peter Croes vorne, mit sieben Sekunden Rückstand konnte Unger auf Rang neun jedoch einen Platz in den Top Ten behaupten. Auch Prochnow und Frodeno hatten als 24. und 25. zu diesem Zeitpunkt lediglich acht Sekunden Rückstand.

Bis zur vorletzten Runde der Radstrecke schaffte es keiner der Fahrer, sich nachhaltig vom Feld abzusetzen, erst auf den Schlusskilometern konnte ein Trio einen kleinen Vorsprung herausfahren. Als erster ging der Luxemburger Dirk Bockel nach knapp 1:17 Stunden in die Wechselzone, dicht gefolgt vom Belgier Axel Zeebroek. Frodeno erreichte als Vierter die Laufstrecke, auf der die Athleten noch vier Runden von je 2,5 Kilometer Länge zu absolvieren hatten. Daniel Unger lag zu diesem Zeitpunkt auf Position sechs und war damit ebenfalls Teil einer neunköpfigen Spitzengruppe, die sich vom Feld absetzen konnte.

Gegen Ende der zweiten Laufrunde konnte Unger bei einer Tempoverschärfung des Spaniers Ivan Rana jedoch nicht mitgehen und fiel auf den neunten Platz zurück. Jan Frodeno hingegen konnte das Tempo halten und behauptete sich in der führenden Sechsergruppe.

Zu Beginn der letzten Runde betrug Ungers Rückstand auf Rang sechs bereits 20 Sekunden. "Das war eine Chance, die erstmal weg ist", sagte der als einer der Favoriten ins Rennen gestartete Unger, der sich aber angesichts der hochklassigen Konkurrenz als Sechster achtbar schlug. "Ein vierter Platz wäre noch schlimmer gewesen. Ich habe ein gutes, aber kein sehr gutes Rennen gemacht."

An der Spitze hatten sich der Neuseeländer Bevan Docherty, Javier Gomez aus Spanien und Frodeno vom restlichen Feld abgesetzt und machten scheinbar den Sieg unter sich aus. Doch der Kanadier Simon Whitfield, der vorrübergehend geschlagen schien, kämpfte sich noch einmal an die Führenden heran und wagte eine Attacke auf der Zielgerade. Doherty und Gomez waren geschlagen, den Sieg machten Whitfield und Frodeno unter sich aus. Der Deutsche hatte am Ende die besseren Reserven und lief mit einem fulminanten Endspurt nach 1:48:53 Stunden zu olympischem Gold. "Er war spektakulär", sagte der geschlagene Whitfield über Frodeno, der die Siegerehrung sichtlich genoss: "Das kommt alles in einem Moment zusammen - innerhalb von diesen 90 Sekunden bei der Nationalhymne lässt du das ganze Leben an dir vorbeilaufen" sagte der Sieger.

luk/sid/dpa

Frodeno gewinnt Triathlon-Hitzeschlacht

Die zehnte Gold-Medaille für Deutschland in Peking ist perfekt: Jan Frodeno setzte sich im Triathlon-Wettbewerb durch. Im Zielsprint ließ er der Konkurrenz aus Kanada und Neuseeland keine Chance.

m Ziel schrie er seine Freude mit einem inbrünstigen "Deutschlaaaand" heraus, bei der Pressekonferenz blickte er ungläubig auf die glänzende Medaille: In der Hitzeschlacht von Peking hat Jan Frodeno acht Jahre nach dem Silber-Jubel von Stephan Vuckovic das erste Olympia-Gold für Deutschlands Triathleten erkämpft.

Eltern herzen "Frodo" überglücklich

"Ich konnte nicht glauben, was passiert ist. Das ist ein Moment, von dem man immer träumt", sagte Frodeno, der sich selbst einen Tag nach seinem 27. Geburtstag das schönste Geschenk machte. Etwa 150 Meter vor dem Ziel am Ming Tombs Reservoir nahe Peking zog der Saarbrücker einen unwiderstehlichen Spurt an und ließ Sydney-Olympiasieger Simon Whitfield aus Kanada um fünf Sekunden hinter sich. Dritter wurde der Athen-Zweite Bevan Docherty aus Neuseeland.

"Es war ein sehr weiter, ein sehr langer Weg. Ich bin durch dick und dünn mit meinen Freunden und meiner Familie gegangen", sagte Frodeno, der von seinen Eltern angefeuert und nach dem Sieg überglücklich geherzt wurde. "Das kommt alles in einem Moment zusammen - innerhalb von diesen 90 Sekunden bei der Nationalhymne lässt du das ganze Leben an dir vorbeilaufen", beschrieb Frodeno den Moment der Siegerehrung.
Unger freut sich für Frodeno

Geschlagen geben musste sich bei Temperaturen von über 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent Ex-Weltmeister Daniel Unger, Christian Prochnow aus Potsdam wurde 15. "Das war eine Chance, die erstmal weg ist", sagte der als einer der Topfavoriten ins Rennen gestartete Unger, der sich aber angesichts der hochklassigen Konkurrenz als Sechster achtbar schlug. "Ein vierter Platz wäre noch schlimmer gewesen. Ich habe ein gutes, aber kein sehr gutes Rennen gemacht."

Der Athlet aus Bad Saulgau freute sich im Ziel umso mehr mit Frodeno und nahm ihn mit einem lauten "Frodo" in die Arme. Dem herbeigeeilten ehemaligen deutschen NOK-Chef Klaus Steinbach wurde indes der Weg zum Sieger durch einen übereifrigen Volunteer versperrt. "Was für ein geiler Sprint", rief Steinbach Frodeno zu.
Brütende Hitze

"Er war spektakulär", zollte auch der geschlagene Whitfield der großartigen Leistung Frodenos höchsten Respekt. Er weiß, wovon er spricht: Vor acht Jahren hatte der Kanadier dem Deutschen Vuckovic den fast schon sicher geglaubten Olympiasieg noch entrissen. Dass Frodeno in diesem Jahr selbst bereits einige Rennen im Spurt verloren hatte, war nun der Schlüssel zum Erfolg. "Daraus zieht man seine Lehren", sagte er. "Wahnsinn", meinten der Sportdirektor der Deutschen Triathlon-Union, Rolf Ebeling, und Bundestrainer Wolfgang Thiel, die nach dem enttäuschenden Damen-Rennen am Tag zuvor völlig aus dem Häuschen waren.

Taktisch clever blieb Frodeno, der zuvor noch keinen Weltcupsieg hatte landen können, von Beginn an in Schlagweite zur Konkurrenz um Weltmeister Javier Gomez, der am Ende Vierter wurde. Nach den 1,5 Kilometern Schwimmen im 27,2 Grad warmen Wasser des Stausees wechselte der gebürtige Kölner, der nach einem langjährigen Aufenthalt in Kapstadt mittlerweile in einer Wohngemeinschaft in Saarbrücken lebt, als Zwölfter aufs Rad: 40 Kilometer bei brütender Hitze. Und auch dabei ließ sich Frodeno nicht von Ausreißversuchen locken oder aus dem Konzept bringen.
Traningskilometer zahlen sich aus

Nachdem eine Dreiergruppe zwischenzeitlich über 40 Sekunden auf dem Rad herausgefahren hatte, fiel die Entscheidung wie erwartet am Ende des 10-Kilometer-Laufs. "Augen zu und durch und nicht daran denken, dass die Besten der Welt neben dir sind", so Frodenos Devise für die letzten Meter. Grundlage dafür waren Tausende von Trainingskilometern: 1.100 im Wasser, 12.500 auf dem Rad und 4.400 zu Fuß. Sie zahlen sich doppelt aus. "Mir fällt ein, dass ich ja ein paar ganz gut dotierte Prämien bekomme", meinte Frodeno schmunzelnd.

(Imke Hendrich, dpa, N24)

„Ausruhen kann man sich später“

19. August 2008 Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno im Interview über seinen Sprint zur Goldmedaille, die besondere Vorbereitung auf das Rennen in Peking, den Vorteil des Außenseiters und das Ende seiner Lebensplanung.

Herr Frodeno, wie haben Sie die letzten Meter bis zur Goldmedaille erlebt?

Das war das Rennen meines Lebens. Ich bin wie in einem Tunnel gelaufen, das habe ich mir immer gewünscht. Ich habe noch nie ein großes Rennen gewonnen, und jetzt gleich Gold bei Olympia, das ist Wahnsinn. Ich bin das Rennen so oft in meinem Kopf durchgegangen, habe so oft schon das Zielband in meinen Händen gesehen.

Wann wussten Sie, dass sie heute gewinnen können?

Nach Kilometer fünf beim Laufen wusste ich, dass es heute ein ganz großer Tag für mich werden würde. Als wir am Ende nur noch zu dritt waren, wusste ich, dass ich eine Medaille sicher hatte, aber ich wollte Gold. Ich habe daran gedacht, dass ich von diesem Augenblick immer geträumt habe. Dann bin ich losgerannt, das war wie ein Automatismus. Ich hatte überhaupt keinen Druck. Mich kannte ja kaum jemand, das war vielleicht mein Glück.

Am Ende waren Sie mit Weltmeister Javier Gomez, dem Olympiasieger von Sydney Simon Whitfield und dem Silbermedaillengewinner von Athen Bevan Docherty in einer Gruppe. Haben Sie gegen diese erfolgreichen und erfahrenen Athleten an ihre Chance geglaubt?

Ich habe versucht, nicht an die großen Namen zu denken, und mich auf mein eigenes Rennen zu konzentrieren. Ich hatte überhaupt keinen Druck. Mich kannte niemand, das war vielleicht mein Glück. Ich habe gedacht, Sieg oder Sibirien, probier' alles. Ausruhen kann man sich später.

Haben Sie sich besonders auf diesen olympischen Triathlon vorbreitet?

Ich bin viel auf hügeligen Kursen gelaufen. Ich habe gewusst, dass es das härteste 10-Kilometer-Rennen aller Zeiten werden würde. Ich wollte meine Energie für den richtigen Zeitpunkt aufsparen und bei der Hitze nicht vorher verbrauchen. Deswegen bin ich auch bei der Attacke in der zweiten Laufrunde nicht mitgegangen. Und wir haben gewusst, dass die Entscheidung im Endspurt fallen kann, deswegen haben wir sehr viele Sprints trainiert. Bisher habe ich viele Rennen sehr knapp verloren, aber ich habe meine Lektion bis zum richtigen Zeitpunkt gelernt.

Die Athleten der anderen Nationen haben stark zusammengearbeitet, wie war das bei den drei deutschen Startern?

Wir haben im Vorfeld viel zusammengearbeitet. Daniel Unger ist mein Vorbild und mein Trainingspartner, aber heute musste jeder für sich kämpfen.

Sie sind als Außenseiter in das Rennen gegangen und nun als Olympiasieger ins Ziel gekommen, glauben Sie, dass sich ihr Leben nun verändert?

Ich habe auch in diesem Punkt viel von Daniel Unger gelernt, sein Leben hat sich nach seinem Weltmeistertitel sehr verändert. In Deutschland ist es knallhart, es zählt nur Platz eins. Ich weiß nicht, wie das bei mir sein wird, ich habe das noch gar nicht so realisiert, dass ich jetzt Olympiasieger bin. Meine Lebensplanung endete mit diesem Rennen. Das war schon immer mein Motto: Es gibt keinen Plan B, Plan A muss funktionieren. Aber ich habe ein paar ganz gute Prämien ausgehandelt.

War es Plan A hier Gold zu gewinnen?

Nein, höchstens Traum A.

Als Sie mit der Goldmedaille auf dem Siegerpodest standen, sind Ihnen die Tränen gekommen. . .

. . . man denkt an den ganzen Weg bis zu diesem Zeitpunkt. Es war ein langer harter Weg. In diesen Sekunden ist noch einmal mein ganzes Leben an mir vorbeigezogen.

Wie viel trainiert ein Triathlon-Olympiasieger am Tag?

In diesem Jahr müssen es bisher rund 1.100 Kilometer Schwimmen, 12.500 Kilometer Radfahren und 4.400 Kilometer Laufen gewesen sein. Das sind vier bis acht Stunden jeden Tag.

Wie sind sie eigentlich zum Triathlon gekommen?

Mein erster Sport in Südafrika, wo ich aufgewachsen bin, war Wellenreiten. Mit Sechzehn habe ich dann angefangen zu schwimmen, und meinen ersten Triathlon habe ich mit Neunzehn gemacht. Da war ich sofort vom Triathlonvirus angesteckt.

Aufgezeichnet von Cai Tore Philippsen, Peking

 

Text: FAZ.NET

„Sieg oder Sibirien“: Jan Frodeno sprintet zu Gold

Von Cai Tore Philippsen, Peking - 19. August 2008 In der schlaflosen Nacht vor dem Wettkampf hatte Jan Frodeno die Ziellinie des olympischen Triathlons schon tausendmal als erster überquert. „Ich bin das so oft im Kopf durchgegangen, ich hatte so oft das Zielband in Händen“, sagte der Olympiasieger von Peking. Dass diese Wunschvorstellung nur wenige Stunden später Wirklichkeit werden sollte, daran hat auch er nicht richtig geglaubt.

Bis zu diesem Dienstagvormittag hatte Jan Frodeno noch kein großes Rennen gewonnen, nun siegte er beim wichtigsten. „Das war das Rennen meines Lebens, ich bin wie in einem Tunnel gelaufen“, sagte der 27 Jahre alte Profi. Sein Trainingspartner und Vorbild, der Weltmeister von 2007 Daniel Unger, kam enttäuscht auf Platz sechs ins Ziel.

Auf der Zielgerade kam es zum Showdown

Nach 1500 Metern Schwimmen, 40 Kilometern auf dem Rad und neuneinhalb Kilometern Laufen bei kräftezehrenden Temperaturen von 30 Grad im Schatten fiel die Entscheidung erst auf den letzten 500 Metern im Schlussspurt. Der aktuelle Weltmeister Javier Gomez aus Spanien, der Olympiasieger von Sydney, Simon Whitfield aus Kanada und der Silbermedaillengewinner von Athen, Bevan Docherty aus Neuseeland hatten auf den letzten Kilometern der Laufstrecke mit Frodeno die Spitzengruppe gebildet.

„Die drei sind die besten der Welt, ich habe immer versucht, nicht an ihre Namen zu denken und mich auf mein eigenes Rennen zu konzentrieren“, sagte Frodeno. Dann musste Gomez, der zuvor als sicherer Goldkandidaten galt, die anderen drei ziehen lassen. Und auf der mit blauem Teppich ausgelegten Schlussgeraden kam es dann zu großen Showdown.

Der selbsternannte Favorit Unger hat 50 Sekunden Rückstand

„Sieg oder Sibirien“, hätte er in diesem Augenblick gedacht, erzählte Frodeno später, und dann habe ein eintrainierter Automatismus eingesetzt. Der 1.94 Meter große Frodeno rannte den beiden um so vieles erfahreneren Profis mit Riesenschritten davon und hielt nach 1:48:53 Stunden tatsächlich das Siegerband in der Hand. Zweiter wurde Whitfield, Dritter Docherty.

Erschöpft ließ Frodeno sich auf den Rücken fallen, nur noch seine beiden ausgestreckten Zeigefinger waren zu sehen. Dann rappelte er sich wieder auf, griff sich eine deutsche Fahne und schrie seine Freude heraus. Erst jetzt kam der selbsternannte Mitfavorit um die Goldmedaille Daniel Unger ist Ziel. Er hatte auf der zweiten von vier 2,5 Kilometer langen Laufrunden den direkten Anschluss an die Spitze verloren. 50,50 Sekunden betrug sein Rückstand im Ziel.

„Habe die Lektion zum richtigen Zeitpunkt gelernt“

Dass sich das Rennen erst auf den letzten Metern entscheiden würde, hatten die deutschen Triathleten vorausgesehen und sich in den vergangen Monaten bei ihrer Trainingsarbeit vor allem auf die letzten Meter konzentriert. Das zahlte sich nun aus. „Bisher habe ich alle Rennen sehr knapp verloren, aber ich habe meine Lektion bis zum richtigen Zeitpunkt gelernt“, sagte Frodeno.

Immer wieder habe er sich während des Rennes daran erinnert, dass er noch Kraft für einen Endspurt brauchen würde. Nicht zu früh zu viel zu wollen, war an diesem heißen Tag 50 Kilometer nördlich von Peking am Mingtomb Stausee entscheidend. Alle Ausreißer wurden eingeholt und durchgereicht. „Er hat taktisch hervorragend gearbeitet“, sagte Triathlon-Sportdirektor Rolf Ebeling.

Vier bis acht Stunden Training jeden Tag

Und eine Erklärung, warum nicht Favorit Unger sondern Außenseiter Frodeno siegte, hatte er auch: „Jan hatte seine Ruhe, Daniel hatte viele Termine.“ Zudem stand der Weltmeister unter Druck, mit Frodeno rechnete niemand. Sein erstes Olympiasieger-Interview gab Frodeno dem amerikanischen Sender NBC, in perfektem Englisch. Seine Eltern waren nach Südafrika ausgewandert, als er ein kleiner Junge war. Sein erster Sport war Wellenreiten. Mit Sechzehn ist er dann öfter zum Schwimmtraining gegangen. Erst mit Neunzehn hat er in Südafrika seinen ersten Triathlon gemacht, „da war ich sofort vom berühmten Virus infiziert“.

2004 kommt Frodeno nach Deutschland zurück und macht mit der Triathletin Anja Dittmer und deren Freund Kris Gemmel (39. in Peking) eine Triathlon-Wohngemeinschaft in der nähe des Olympiastützpunktes Saarbrücken auf. Rund 1.100 Kilometer im Wasser, 12.500 auf dem Rad und 4.400 in Laufschuhen hat Jan Frodeno in diesem Jahr hinter sich. Vier bis acht Stunden Training standen jeden Tag auf dem Programm.

1,94 Meter, 75 Kilogramm

In den letzten beiden Monaten hat er ein Zimmer direkt im Olympiastützpunkt bezogen, „mit einer Matratze auf dem Boden und der Olympiafahne an der Wand“. Wie ein Asket habe er gelebt, erzählt Frodeno. Bei einem Körpergewicht von 75 Kilogramm und einer Größe von 1,94 Metern ist das nicht zu übersehen. Auch zu seinem Geburtstag an diesem Montag gab es nur Wasser. Nun will er mit seinen Freunden und Eltern feiern. Was danach komme, wisse er nicht. „Meine Lebensplanung reichte genau bis zum Start des Rennens.“

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS