länger habe ich nun nichts mehr von mir hören lassen. Entschuldigt bitte! Aber ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass die vergangenen Wochen enorm vollgepackt waren. All das, was da gerade rund um mich herum passiert ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Ich nehme diese Zeit sehr intensiv wahr. Es ist aufregend, spannend, stressig, manchmal etwas verwirrend, oft lustig – vor allem aber: es ist immer lehr- und hilfreich. Jedenfalls ist mir nun überdeutlich bewusst geworden, dass (Leistungs-)Sport und der Olympiasieg weit mehr Verantwortung bedeuten als dafür zu sorgen, selbst schnell schwimmen, Rad fahren oder laufen zu können. Dabei füllt einen das eigentlich schon stark aus. Diese ganzen neuen Erfahrungen empfinde ich aber keineswegs als Last. Ich bin dankbar dafür, und ich erfahre auch eine enorme Unterstützung für die ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte.
Ein besonderes Highlight war natürlich die Woche der Champions im Robinson-Club Agadir (Marokko), die mit meiner Wahl zum „Champion des Jahres“ endete. Gänsehaut pur beschreibt das Gefühl, das mich an diesem Abend überkam, wohl am besten, wenn man solch Glücksmomente überhaupt in Worte fassen kann oder sollte. Und noch immer stehe ich fast ehrfürchtig vor dieser Auszeichnung. Von diesen herausragenden Athleten, von denen selbst jeder außergewöhnliche Leistungen vollbracht hat und noch vollbringt, zum „Champion“ gewählt zu werden – das ist eine hohe Ehre. Bei allem Respekt vor den öffentlichen oder medialen Wahlen: Die Sportler selbst wissen natürlich am ehesten einzuschätzen, welche Opfer erbracht werden müssen und welche Leistungen nötig sind, um es an die Spitze zu schaffen. An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an die Veranstalter und Helfer dieser wirklich unvergesslichen Woche in Agadir. Und natürlich an alle Champions, die mir diese ganz besondere Auszeichnung haben zu Teil werden lassen.
Seit einigen Tagen hab ich nun wieder mit intensiverem Training begonnen. Gar nicht so einfach nach einer dringend notwendigen Ruhephase, in der ich viel herumgerannt bin, ohne wirklich zu rennen. Aber immerhn konnte die Zeit genutzt werden, einiges zu bewegen Und auch wenn es nicht immer leicht fällt: ich genieße die Anstrengung sehr und merke, dass es richtig war, seinen Körper nach den enormen Belastungen der vergangenen Monate einen kleinen Urlaub zu gönnen.
Eine der neuen Aufgaben ist es auch, Fragen zu beantworten, Stellung zu beziehen. Dabei bekommen meine Aussagen einen Stellenwert, den ich so noch nicht kannte. Das meine ich in beiderlei Hinsicht: positiv wie negativ. Ich freue mich sehr, dass sich Medien für mich und meine Sicht der Dinge interessieren. Dabei kommt es zwangsläufig auch zu Missverständnissen. Damit muss man umgehen. Ich möchte deshalb die Gelegenheit nutzen, auf einige Punkte einzugehen. Im Mittelpunkt stand zuletzt die Diskussion über die Langstrecke. Dass ich hohen Respekt vor den Leistungen der Athleten habe, muss ich hier nicht noch einmal betonen. Ich käme also auch nicht auf die Idee, zu behaupten, beim Ironman seien nur „gescheiterte Kurzdistanzler“ unterwegs. Eine derartige Respektlosigkeit würde ich mir nie erlauben. Zumal es auch nicht den Fakten entspricht. Aber wie bereits erwähnt, ich lerne derzeit sehr viel Neues. Auch das, dass meine Aussagen zugespitzt, verändert, anders gewichtet werden. Dass es nämlich einige Athleten im Ironman gibt, die auf der Kurzdistanz keine Erfolge gefeiert haben, ist ebenso unbestritten wie die Tatsache, dass diejenigen, die längere Strecken absolvieren, nicht automatisch die besseren Athleten sind. Eines ist aber auch klar: Ich werde ehrlich und authentisch sein. Und ich gebe meine Sicht der Dinge wider, ohne anderen irgendetwas absprechen oder ihnen zu nahe treten zu wollen. Und eine dieser Meinungen ist, dass ich das Tempo, das auf der Olympischen Distanz herrscht, dem der Langstrecke vorziehe. Andere sehen dies anders und das ist in Ordnung.
Eines ist sicher: ich könnte morgen nicht beim Ironman siegen, so wie keiner der Top-Platzierten aus Hawaii in nächster Zeit einen Weltcup gewinnen wird. Ich denke dass der Aufwand und die Disziplin die erbracht werden müssen, um Spitze zu sein, hier wie da enorm hoch ist. Vergliche man am Ende einer Saison die jeweiligen Trainingsauswertungen wäre zu sehen, dass bei den Profis auf der Kurz-Distanz mindestens soviel trainiert und geleistet wird wie auf der langen. Für mich ist somit die Frage der Wertigkeit eines Sieges allenfalls über die Leistungsdichte in der Spitze zu beantworten. Ich wünsche allen, ob lange oder kürzer unterwegs, ob auf der Couch sitzend, am Strand liegend oder den normalen Tätigkeiten des Alltags nachgehen müssend: Spaß, Zufriedenheit, Erfolg und Gesundheit! Viele Grüße, Euer
Jan
Jan Frodeno CHAMPION DES JAHRES
1. Okt. 2008
Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno ist CHAMPION DES JAHRES 2008. Deutschlands Spitzensportler wählten den 27-Jährigen bei der Event-Woche im ROBINSON CLUB Agadir in Marokko. „Ich war total nervös und habe geschwitzt auf der Tribüne“, gestand „Frodo“, nachdem die Zuschauer ihn mit stehenden Ovationen gefeiert hatten: „Ich bin total glücklich und überwältigt und muss das erstmal verarbeiten. Von Deutschlands besten Sportlern gewählt zu werden, ist eine unglaubliche Ehre für mich.“
Als Preis für die Wahl erhält der Goldmedaillengewinner von Peking einen smart und eine Traumreise. Diese wird wohl nach Indonesien gehen: „Ich wollte schon immer mal gerne mit einem Fischkutter von Insel zu Insel fahren und die besten Wellen surfen.“
Außer Frodeno waren für die Wahl die Olympiasieger Ole Bischof (Judo), Alexander Grimm (Kanu), Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf) und Matthias Steiner (Gewichtheben) nominiert.
Jan zu Gast bei "Deutschen Welle- TV" in der Sendung "Typisch Deutsch/Talking Germany" Erstaustrahlung: Sonntag 21.09.08 21:30 Uhr in Deutsch und um 00:30 Uhr in Englisch
Frodo am Sonntag bei den Hamburg Cyclassics und im NDR Fernsehen
3. Sep. 2008
Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno mischt sich bei den Hamburg Cyclassics der Radprofis am Sonntag unter die rund 22.000 `Jedermänner", die in der Hansestadt ebenfalls ihre Kräfte messen. Der 27-Jährige wird am Rennen über 100 km teilnehmen, die Strecke der Berufsfahrer beträgt 213,7 km. "Auch wenn ich derzeit wenig zum Trainieren komme, ist dies eine Strecke, die ich mir zutraue", sagte der Saarbrücker fünf Tage vor seinem Start in Hamburg. Quasi an gleicher Stelle hatte Frodeno bei der traditionellen Weltcup-Veranstaltung im Juli hinter Ex-Weltmeister Daniel Unger aus Mengen den zweiten Platz belegt. Sein reguläres Triathlon-Training will der Goldmedaillengewinner von Peking Mitte Oktober wieder aufnehmen. (Pressemeldung)
Nach seinem Rennen wird Jan Frodeno ab 13 Uhr zu Gast beim NDR "Sportclub Live" sein.